Stadt Kehl

Gutachten zum Gewässerschaden durch Schwimmbadwasser im Prestelsee

17.06.2020

Über mehr als 40 Jahre war das Beckenwasser aus dem Auenheimer Freibad unwissentlich in den Prestelsee geleitet worden – und damit Schadstoffe wie Reinigungs- und Frostschutzmittel. Nachdem die Wasserverschmutzung im Februar durch die Polizei Offenburg mit Hilfe einer Indikatorlösung festgestellt wurde, hatten die Technischen Dienste Kehl die Verbindung des Bads zum Regenwasserkanal gekappt. Kurz darauf gaben die TDK ein Gutachten in Auftrag, das das Ausmaß des Gewässerschadens feststellen sollte. Dessen Ergebnis liegt nun vor: Die Fische im Prestelsee haben keinen nachweislichen Schaden genommen.

Wenige Tage nachdem der Fehlanschluss bekannt wurde, leiteten die Technischen Dienste das Beckenabwasser in einem ersten Schritt in den Schmutzwasserkanal, der es wiederum zur Kläranlage führt. Das geschah am 20. Februar. Seitdem landet kein Schwimmbadwasser mehr im Auenheimer Prestelsee. In einem zweiten Schritt beauftragten die Technischen Dienste ein Fachbüro aus Wiesloch damit, die gewässerökologischer Auswirkungen durch den Fehlanschluss der Abwasserleitung rückwirkend zu ermitteln. Rückwirkend, denn zu diesem Zeitpunkt war die Verbindung des Beckenwassers zum See bereits gekappt. Der Sachverständige für Gewässerökologie konnte in seinem Gutachten nun Entwarnung geben, zu Schaden gekommen waren die Fische durch das eingeleitete Schmutzwasser nicht. Die Farbpartikel, die aus den Schwimmbecken in den See geschwemmt wurden, stammten aus dem Anstrich des Planschbeckens. Dabei handelte es sich um eine Chlorkautschuk-Farbe. Der Gutachter wertete diese als wasserbeständig. Die Partikel würden sich im Laufe der Zeit im Sediment ablagern. Das Ergebnis des Sachverständigen bestätigt ein bereits bestehendes Gutachten aus dem Jahr 2011. Damals wurden im Prestelsee Fische wie Aal, Hecht, Rotauge und Flussbarsch im Auftrag der Technischen Dienste auf Schadstoffe untersucht. Den Fischen konnte bescheinigt werden, lebensmittelrechtlich unbedenklich zu sein. Bei einer weiteren Untersuchung im Jahr 2004 stand der Nährstoffgehalt des Sees im Fokus. Es galt zu klären, woher die erhöhten Phosphor- und Stickstoffwerte im Gewässer kamen. Beide Stoffe sind Indikatoren für die Wasserqualität. Bei der von den TDK beauftragten Untersuchung stellte sich heraus, dass die hohen Werte „überwiegend natürlichen Ursprungs“ waren: das Grundwasser, Niederschlag über dem See, Regenwasserzufluss aus dem Auenheimer Ortsnetz zählten ebenso zu den Quellen wie Phosphor, der sich aus Ablagerungen auf dem Grund des Sees löst. Zudem speist der Rhein-Nebenarm Langes Loch den Prestelsee unterirdisch.
Inzwischen hat sich der Regenwasserzufluss um den Anteil des Schwimmbadabwassers verringert. Dieses konnte über einen Zeitraum von mehr als 40 Jahren in den Prestelsee fließen, weil der Stadt der tatsächliche Verlauf der Leitungen auf dem Freibad-Gelände unbekannt war. Die entsprechenden Pläne galten zwischenzeitlich als „verloren“. Aufgrund der Erkenntnisse aus vorangegangenen Untersuchungen hatte die Stadt anfangs bestritten, dass die Schmutzpartikel aus dem Auenheimer Freibad kommen. Die Technischen Dienste Kehl gehen derzeit nicht davon aus, dass weitere Untersuchungen erforderlich werden. Da der Fehlanschluss inzwischen behoben ist, können sich die Organismen im See nun wieder erholen. 

 
 
 

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