Thomas Wuttke: Durch offene Kommunikation Transparenz schaffen

Eigentlich war es Zufall. Nur weil die Beigeordnetenposition der Stadt Aachen in der gleichen Ausgabe des Architektenblatts ausgeschrieben war wie die Stelle des Baubürgermeisters in Kehl, ist Thomas Wuttke die Anzeige aufgefallen. An einem Januartag fuhr er mit seiner Frau Claudia nach Kehl, „es war eisekalt und grau“. Dennoch war „der erste Eindruck gut genug, um sich zu bewerben“. In einer Sondersitzung am 2. Mai hat der alte Gemeinderat den 41-Jährigen gebürtigen Kölner für acht Jahre zum Beigeordneten der Stadt Kehl gewählt. Seinen Diensteid legte Thomas Wuttke am Montag (22. Juli) vor dem neuen Gemeinderat ab. Am 1. September nimmt er seine Arbeit auf – in Kehl ist er jetzt schon ein bisschen angekommen.

Was ihn bei seinem ersten Besuch am meisten beeindruckt hat? „Dass Tische und Stühle auf dem Marktplatz standen“, antwortet er spontan. Und dass da selbst an einem eiskalten Januartag Menschen saßen. Die öffentlichen Plätze, die Frei- und Grünflächen haben ihm gefallen. Und die Tram. Thomas und Claudia Wuttke stammen beide aus Köln, „da bleibt man gerne im Dunstkreis der Straßenbahn“. Das „deutsch-französische Thema wird hier intensiver betrieben als das deutsch-niederländische in Aachen“, das „hat man auf der ersten Stippvisite schon gemerkt“. Auf der Heimfahrt freuten sich die Wuttkes, Freunde mit frischem französischem Baguette überraschen zu können.
Mit diesem ersten Abstecher nach Kehl war die Entscheidung gefallen: „Dann haben wir abgegeben“, sagt er und meint seine Bewerbung um das Beigeordnetenamt. „Wir hatten uns nur Außenseiterchancen ausgerechnet.“ Das Wir kommt Thomas Wuttke ganz selbstverständlich über die Lippen; das Ehepaar hat jede Entscheidung gemeinsam getroffen. Die Bewerbungsphase hat der 41-Jährige als „schönes Verfahren“ erlebt, „die beteiligten Personen sind offen auf mich zugekommen, es war ein guter Austausch“. Ein Umstand, der seine Überzeugung, in Kehl am richtigen Ort zu sein, wachsen ließ. Die Nachricht, dass er bei der Vorstellung im Gemeinderat der einzige Kandidat sein würde, hat seine Nervosität nicht gezügelt: „Ich war trotzdem nicht sicher, gewählt zu werden.“

Ist in Kehl bereits ein bisschen angekommen: das Ehepaar Claudia und Thomas Wuttkezoom

Noch vor dem Wahltermin im Gemeinderat haben Thomas und Claudia Wuttke die beiden Söhne Felix und Titus über den möglichen Umzug nach Kehl informiert. Zwei Wochen nach der Wahl sind die Jungs zum ersten Mal mit in Kehl; die Familie schaut sich nach einer Wohnung um. Zum Messdi sind die Wuttkes zurück. Beim fünften Kehl-Aufenthalt Ende Juni ist Notartermin; der neue Beigeordnete wird mit seiner Familie im eigenen Haus wohnen. Felix und Titus werden in der Schule angemeldet. Zu diesem Zeitpunkt hat das Ehepaar bereits die erste Lieblingskneipe in Kehl gefunden; die Passerelle und den Garten der zwei Ufer haben Thomas und Claudia Wuttke bereits als Orte entdeckt, an denen sie sich gerne aufhalten. Der Umzug wird im Laufe des Augusts stattfinden.

Der neue Beigeordnete Thomas Wuttke hat in Kehl schon Lieblingsplätze gefunden - die Passerelle ist einer davon.zoom
Gespräche mit OB Vetrano hat Thomas Wuttke mehrere geführt; auch mit seinem Vorgänger Harald Krapp hat er sich getroffen. Seit seiner Wahl ist er dabei, sich einzuarbeiten. Wenn es am 2. September offiziell losgeht, will er sich erst alles anschauen, hat er sich vorgenommen: „Ich möchte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über die Schulter gucken, sehen, was sie gerade machen.“ Seine Vorstellung ist nicht, „dass ich Kehl neu erfinde“, stellt er klar, vielmehr möchte er den Kolleginnen und Kollegen, „den maximalen Raum dafür bieten, rauszuholen, was in ihnen steckt“.
Sein Kredo ist die Zusammenarbeit – in jeder Hinsicht. Zusammenarbeiten möchte er mit den Mitarbeitenden – „ich habe aber auch den Anspruch, dass sie das untereinander tun“, verdeutlicht Thomas Wuttke. Zusammenarbeiten möchte er auch mit Kehlerinnen und Kehlern. Zusammenarbeit bedeutet für ihn allem voran, „miteinander zu reden“ und durch offene Kommunikation Transparenz zu schaffen. „Dann bin ich informiert, wenn etwas länger dauert als geplant oder wenn es irgendwo hakt.“ Ein offener Umgang, ist er überzeugt, „steigert die allgemeine Zufriedenheit“. Die Aufgabenfülle, die im Baubereich insgesamt und im Bereich Gebäudemanagement im Besonderen auf ihn zukommt, will er auf „realistische Vorgaben“ zurückführen. Zauberei und Wunder will Thomas Wuttke nicht versprechen, sondern für eine klare Priorisierung sorgen: Werde dann etwas dazwischengeschoben, „bedeutet das, dass etwas anderes liegenbleibt – plus Zeitverlust“.
Zu den Projekten, die ihn in Kehl besonders reizen, gehört für ihn die „Innenstadterweiterung nach Norden“ mit der Entwicklung des ehemaligen Zollhofs, des Kasernenareals und der Yachthafenkante. „Das ist doch eine wahnsinnige Chance.“

Werdegang:
Thomas Wuttke ist Diplom-Ingenieur im Bereich Architektur und seit 2009 beim Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes Nordrhein-Westfalen (BLB NRW) beschäftigt. Der 41-Jährige ist dort als Abteilungsleiter Baumanagement Bund 1 tätig. Vor seinem Architekturstudium an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule hat Thomas Wuttke eine Lehre als Zimmerer mit der Gesellenprüfung abgeschlossen.
Seine Hauptaufgabe bestand zuletzt in der baulichen Erneuerung der NATO-Airbase Teveren. Dazu gehören neben dem Flughafen auch Wohngebäude, Kindertageseinrichtungen, Kantinen, Krankenstationen sowie Straßen und Versorgungsnetze. „Die Airbase mit 1500 Soldaten ist ein Dorf für sich“, verdeutlicht Thomas Wuttke. Die Übernahme dieser Aufgabe hat für ihn einen Perspektivwechsel bedeutet: „Ich bin in der Führung angekommen, wo ich mich auch zu Hause fühle.“ Hineingewachsen sei er in die Führungsaufgabe schrittweise, sagt er, aus der Sachbearbeiterrolle heraus über Schulungen und eine „fundierte Führungsausbildung“.
Zuvor hat Thomas Wuttke die Campus-Projekte als Teil der westlichen Stadterweiterung Aachens als Projektleiter für den BLB NRW verantwortet. Auch in zahlreichen weiteren Projekten für das Land Nordrhein-Westfalen konnte er seit 2009 Erfahrungen in der Steuerung und Leitung fachübergreifender Teams sammeln.
Dass er einmal Architekt werden wollte, stand für Thomas Wuttke „ganz früh fest“; schon sein Schulpraktikum hatte er sich danach ausgesucht. Als es nach dem Abitur für den Numerus Clausus nicht reichte, hat er eine Ausbildung als Zimmerer gemacht. „Für mich war das kein Problem“, sagt er rückblickend, „und fürs Studium war es sehr, sehr gut.“

22.07.2019

 

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