Kehl feiert die Tram oder: „Heute fährst du einfach über die Grenze – ist das nicht schön?“

Brücken über den Rhein als Friedensbrücken, die grenzüberschreitende Tram als Gegenbewegung zum Populismus in Europa, die Brücken und die Tram als Zeichen für das, was Europa vermag: Viel Symbolik ist der Tram am Samstagvormittag bei der offiziellen Einweihung der Endhaltestelle am Rathaus und der anschließenden Podiumsdiskussion in der Stadthalle beigemessen worden. Deutlich wurde aber auch: Die grenzüberschreitende Tram ist vor allem ein schnelles, bequemes und umweltfreundliches Transportmittel, auf das die Einwohnerinnen und Einwohner offenbar nur gewartet haben. Wie anders wären sonst die drei Millionen Einzelfahrten im ersten Betriebsjahr zu erklären – fast doppelt so viele wie in den bilateralen Verträgen zwischen Straßburg und Kehl kalkuliert?

Die Oberbürgermeister von Kehl und Straßburg, Toni Vetrano und Roland Ries (Bildmitte) begrüßten die Bürgerinnen und Bürger, die zum Eröffnungsakt auf den Rathausplatz gekommen waren. Rechts von Roland Ries, der Präsident der CTS, Alain Fontanel und der Kehler Baubürgermeister Harald Krapp, links von OB Vetrano, Ministerialdirektor Dr. Uwe Lahl, Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer und Robert Herrmann, Präsident der Eurométropole de Strasbourg.zoom

Als die Entwurfsplanungen für die Verlängerung der Tramlinie D über den Rhein begonnen hätten, zur Zeit als Dr. Günther Petry noch Kehler Oberbürgermeister war, habe es in Kehl wie in Straßburg die Diskussion gegeben: „Machen wir’s oder machen wir’s nicht.“ Inzwischen, stellte der Straßburger Oberbürgermeister Roland Ries fest, hätten die Nutzer mit den drei Millionen Fahrten über den Rhein im ersten Jahr die Notwendigkeit dieses Verkehrsmittels bestätigt; „die Tram ist auf den Punkt genau gekommen, als die Nachfrage vorhanden war“.

So sieht es auch Robert Herrmann, Präsident der Eurométropole de Strasbourg; er beschrieb die Tram als wichtiges Werkzeug auf einem gemeinsamen Arbeitsmarkt. Wer mobile Arbeitnehmer wolle, der müsse ihnen auch die Möglichkeit geben, ihren Arbeitsplatz erreichen zu können: „Wer keinen Job hat, kann sich kein Auto leisten.“ Straßburg und Kehl hätten die Aufgabe, ein gemeinsames Gebiet zu bauen, in dem sich die Menschen wohlfühlten. Er erinnerte daran, dass in der grenzüberschreitenden Umfrage des Entwicklungsbeirats der Eurométropole 30 Prozent der Teilnehmer angegeben hätten, dass der öffentliche Nahverkehr für sie sehr wichtig sei – mit der Tram antworte man auf dieses Bedürfnis: „Wir verbessern die Mobilität und erhöhen damit die Lebensqualität unserer Bürger.“ Was die Tarifstruktur angehe, träume er vom holländischen Modell, wo man mit einem Ticket alle Verkehrsmittel nutzen könne.

Georg Walter, der Direktor des Euro-Instituts, moderierte die Podiumsdiskussion in der Stadthalle zur Einweihung der Tramendhaltestelle am Rathaus.Huguette Zeller, Vizepräsidentin des Euro-Instituts, und Robert Herrmann, Präsident der Eurométropole de Strasbourg, sprachen über die Bedeutung der Tram für Kehl und Straßburg.zoom

So wie die grenzüberschreitende Gartenschau der Entwicklung Kehls einen ersten Quantensprung bescherte habe, sorge die Ankunft der Tram, zusammen mit dem neuen Bussystem und dem neugestalteten Rathausumfeld nun für einen zweiten. Für ihn habe die „Mobilität eine neue Dimension erreicht“, erklärte Oberbürgermeister Toni Vetrano in der von Georg Walter, dem Leiter des Euro-Instituts, moderierten Diskussion. Erst durch die Tram sei zum Beispiel offenbar geworden, wie viele Kinder aus Straßburg und Kehl im jeweils anderen Land zur Schule gingen. Sein Vorgänger Günther Petry, dem Toni Vetrano bereits bei der Eröffnung des Bürgerfestes vor dem Rathaus gedankt hatte, habe ihm zudem den ökologischen Aspekt der Tram in Erinnerung gerufen, dem in Zeiten des Klimawandels eine hohe Bedeutung zukomme. Dem konnte Roland Ries nur beipflichten: Die Luft im Ballungsraum Straßburg-Kehl sei immer noch schlecht und immer wieder würden Grenzwerte für Schadstoffe überschritten, obwohl Straßburg mehr als eine Milliarde Euro in den Ausbau des Tramnetzes investiert habe. „Was aber wäre, wenn wir diese Investitionen nicht getätigt hätten?“, fragte er: „Es geht um die Luft, die wir atmen.“

Ministerialdirektor Dr. Uwe Lahl war als Vertreter des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg nach Kehl gekommen, Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer sprach auch als Vorsitzende des Interreg-Begleitausschusses.zoom

Mit einer Anekdote brachte Ministerialdirektor Dr. Uwe Lahl aus dem Stuttgarter Verkehrsministerium die Bedeutung der Tram auf den Punkt: In der vierten Klasse habe er im Französischunterricht einen damals sehr nützlichen Satz gelernt: „Avez-vous quelque chose à déclarer?“ (Haben Sie etwas zu verzollen?). „Heute fährst du einfach über die Grenze – ist das nicht schön?“ 20 Prozent der Kosten für die Tram in Kehl zu übernehmen, „ist dem Land nicht schwergefallen“, betonte er – fast nebenbei.

Dass die Planung der grenzüberschreitenden Tram und der Bau der Trambrücke über den Rhein auch mit 3,4 Millionen Euro an Interreg-Mitteln, und damit von der Europäischen Union unterstützt wurden, daran erinnerte Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, die gleichzeitig Präsidentin des Interreg-Begleitausschusses ist, in der Stadthalle. Mit solchen Projekten und den 15 Brücken, die am Oberrhein gebaut worden seien, „kann man deutlich machen, was Europa vermag“. Der Oberrhein habe eine Wirtschaftskraft „so groß wie ganz Dänemark“, sagte sie, in nationale Teile aufgesplittert, würde diese niemals erreicht. „Wer, wenn nicht wir in den Grenzregionen, sollte zeigen, dass Europa eine riesige Chance ist“, rief sie den Zuhörern in der Stadthalle zu. Sie freue sich überdies, dass die Tram mit der Haltestelle vor dem Rathaus nun auch vor dem Kompetenzzentrum für europäische Fragen in der Rehfus-Villa und im Torbogengebäude angekommen sei. Auf die Bedeutung der dort angesiedelten Einrichtungen machte die Vizepräsidentin des Euro-Instituts und Regionalrätin, Huguette Zeller, aufmerksam; die Grenzgängerberatungsstelle INFOBEST, die Fortbildungseinrichtung Euro-Institut und das am Bahnhof angesiedelte Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz feierten mit dem Tramfest zugleich ihr 25-jähriges Bestehen. „Mit der Tram sind die Herzen unserer beiden Städte für die Ewigkeit verbunden.“

Im zweiten Teil der Podiumsdiskussion berichteten Alain Fontanel, Präsident der CTS, und Harald Krapp, Erster Beigeordneter der Stadt Kehl, über die Herausforderungen beim Bau der grenzüberschreitenden Tramlinie.zoom

Auf die Herausforderungen beim Bau der Tram gingen CTS-Präsident Alain Fontanel, zugleich Erster Beigeordneter der Stadt Straßburg, und Harald Krapp, Erster Beigeordneter der Stadt Kehl und zugleich Betriebsleiter der Technischen Dienste Kehl, welche die Tram auf Kehler Gemarkung betreiben, ein: Rote Ampeln, andere Schienen auf der Brücke – man habe erst lernen müssen zusammenzuarbeiten, gemeinsam zu bauen und die Tram gemeinsam zu betreiben, sagte Alain Fontanel und erinnerte daran, dass die CTS vor 141 Jahren als Straßburger Straßenbahngesellschaft von den Deutschen gegründet worden war. Harald Krapp betonte die große Unterstützung, welche die Stadt Kehl von den Straßburger Kollegen erfahren habe: So hätten sie mitgeholfen, dem Bund aufzuzeigen, dass es sich bei der Verlängerung der Tramlinie D von der Haltestelle Aristide Briand bis zum Kehler Rathaus um ein untrennbares Projekt handle – hätte der Bund nur das Teilstück auf Kehler Gemarkung betrachtet, hätte die Stadt Kehl nicht ins Zuschussprogramm des Bundes aufgenommen werden und damit die Tram nicht bauen können. Der Bau der Tramlinie sei ein spannendes und anspruchsvolles Projekt gewesen, das mit einer kleinen Mannschaft im Rathaus gemeistert worden sei. Außerdem sei die Tram Anlass gewesen, den Rathausplatz zu gestalten, den es vorher nicht gegeben habe: „Jetzt ist er ein architektonisches Zeugnis dieser Zeit.“

Gesprächsthema Tram bei der von Georg Walter, Direktor des Euro-Instituts, moderierten Podiumsdiskussion mit (von links nach rechts): Huguette Zeller, Robert Herrmann, Roland Ries, Toni Vetrano und Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer.zoom
Mit einem eigens auf die Tram gedichteten Lied - in deutscher und französischer Sprache - eröffnete der Chor der Falkenhausenschule den Festakt in der Stadthalle.zoom

08.12.2018

 

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